Reif werden ist ein natürlicher Prozess


Reifsein als BirneWenn die Früchte an einem Baum nicht reif werden, ist ein natürlicher Prozess unterbrochen worden. Mich interessiert, warum so viele Menschen nicht wirklich reif werden. Ein reifer Mensch wäre für mich jemand, der sein vorhandenes Potential zur vollen Entfaltung gebracht hat, so dass auch andere davon profitieren können. So wie reife Früchte ein Labsal für viele (Tier und Mensch) sein können.

Ich habe keine fertigen Antworten, aber viele Fragen. Es geht um grundlegende Lebensfragen. Shakespeare läßt jemanden im Schauspiel König Lear in einer kritischen Situation sagen: „Reifsein ist alles!“ (Ripeness is all). Darauf soll es also eigentlich ankommen – im Leben …  Mit „ankommen“ ist das Erreichen eines Zieles gemeint. Wie kann dieses Ziel im Hinblick auf Reife für Menschen aussehen und welche Voraussetzungen hat das?

Aber vielleicht ist diese Fixierung auf ein Ziel auch Symptom einer Fehlorientierung. Bevor oben in der Krone des Baumes Früchte wachsen können, muss ein steter Energiefluss durch den Stamm gegangen sein. Wenn wir dessen Ursprung aufsuchen, kommen wir auf einer tieferen Ebene zu den Wurzeln des Baumes. Hier findet in einem extensiven Beziehungsgeflecht zwischen feinen Wurzeln und der umgebenden Erde eine Aufnahme von Stoffen statt, die Voraussetzung weiterer energetischer Verwandlungen und Wachstum ist. Ich glaube, dass wir auch beim Menschen genauer hinschauen sollten, worin er verwurzelt ist. Wenn deutlicher wäre, wo er herkommt, könnte klarer werden, worauf es mit ihm hinausgehen soll.

Lebenslange Beschäftigung mit spirituellen Traditionen hat mich zu der Überzeugung gebracht, dass dort Wissen um den Reifungsprozess des Menschen gesammelt wird.  Beispielsweise sehe ich einen Begriff wie „Weisheit“ in großer Nähe zum Thema Reifsein. Antworten auf die Frage: „Wie werde ich reif?“ könnten sich in der Auseinandersetzung damit womöglich finden lassen. Dazu müssen wir uns zunächst auf die Suche machen. Wie die Suche nach dem Gral könnte das der Anfang eines schicksalhaften Abenteuers („das, was geschehen soll“) sein. Und die damit verbundene kindliche Vorfreude steht vielleicht in einem geheimen Zusammenhang zum gelingenden Leben eines „Erwachsenen“, der gewohnte Bahnen verläßt und sich auf den Weg zum Reifsein macht.

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